Tafel Oberberg Süd   													                zuletzt aktualisiert: 18.11.2018 Home wir über uns Kundeninformation Pinwand Pressespiegel Spenden Förderer & Links

Damit der Wagen rollt und der Laden läuft 

Ein Bericht von Karin Vorländer (2015)

 

Ein Blick hinter die Kulissen. Was alles nötig ist, damit jede Woche

über 4,5 Tonnen Lebensmittel an über 1200 Menschen ausgegeben

werden können.

An sechs Tagen die Woche sind die Fahrer der Tafel Oberberg Süd mit zwei

Kühlfahrzeugen unterwegs. Auf ihren jeweils 60 km langen Touren fahren 

sie Filialen der großen Supermarktketten, andere Geschäfte und 

Bäckereien an. Sie holen Lebensmittelspenden für bedürftige Menschen 

ab. Ausgegeben werden die Lebensmittel dann für symbolische 2 Euro an 

den Ausgabestellen der Tafel in Waldbröl, Wiehl, Morsbach und Nümbrecht.

„Da ist kein Laden, den wir auslassen würden“, berichtet Alfred Freitag, 

der zum Leitungsteam der Tafel gehört. Wenn er durch die Läden tourt, 

spricht er auch schon mal Kunden an und bittet sie, ob sie nicht ein oder 

zwei Teile mehr als geplant kaufen können und sie nach dem Gang durch 

die Kasse für die Tafel spenden.  "Meist mit Erfolg", erzählt er 

schmunzelnd. 

Lebensmittelretter

Die Filialleiter kennen und schätzen die Tafel Mitarbeiter. Sie vertrauen 

ihnen gerne die Lebensmittel an, die 

zwar das Verfallsdatum erreicht 

haben oder kleine Schönheitsfehler 

aufweisen, aber durchaus zum 

Verzehr geeignet sind.  Leicht 

zerbeulte Konservendosen, Gemüse 

mit ein paar welken Blättern, Obst, 

Molkereiprodukte. Alle Lebensmittel, 

die sonst in die Tonne wandern 

würde, aber noch gut genießbar ist. „Wir sind eigentlich Lebensmittel- 

retter“, sagt Alfred Freitag.  Wohl wahr. Denn die rund 4,5 Tonnen 

Lebensmittel, die Alfred Freitag und seine ehrenamtlichen Kollegen Woche 

für Woche einfahren, würden nach Überschreiten der Mindesthaltbarkeit 

aus den Regalen in die Tonne wandern. Wenn sie statt dessen gut gekühlt 

in den Räumen der Waldbröler Tafel ankommen, wartet ein eingespieltes 

Team von Ehrenamtlichen darauf, die Ware auszuladen, zu sortieren, auf 

ihre Verwendbarkeit zu prüfen und sie bis zur Abgabe an Bedürftige 

fachgerecht zu lagern. 

Ohne Kühltransporter läuft gar nichts

Was aber, wenn die Kühlfahrzeuge der Tafel schlapp machen? Genau das 

war im letzten Jahr der Fall. Einer 

der beiden bei der Gründung der 

Tafel 2003 gebraucht gekauften 

Transporter musste mit 

Motorschaden verschrottet werden. 

Auch der andere wurde immer 

reparaturanfälliger und war nicht 

mehr rentabel. Was tun? An eine 

Neuanschaffung von zwei rund 

70.000 Euro teuren Gefährten war trotz vorhandener Spenden- 

Eigenmittel  nur mit Hilfe von Sponsoren zu denken. Die fanden sich zum 

Glück in Gestalt der Mercedes Benz AG, (30.000 Euro), der Stiftung der 

Sparkasse der Homburgischen Gemeinden( 12.000 Euro), der Firma 

Sarstedt (10.000 Euro) und der Nümbrechter Gemeindewerke (5.000 

Euro) und weiterer Spender. Im September konnte der erste nagelneue 

Kühltransporter in Dienst genommenwerden, Anfang Februar der zweite. 

Spenden machen's möglich

Zur Anschaffung des dringend nötigen zweiten Fahrzeuges trug u.a. die 

Firma Lidl mit 10.000 Euro bei. Genauer gesagt: die Kunden des 

Diskounters, die bei der Rückgabe von Leergut am Automaten auf den dort 

eigens eingebauten Spendenknopf drücken, statt sich das Geld auszahlen 

zu lassen. Die Idee dazu hatte ein Mitarbeiter der Diskounterkette aus 

Wunstorf im Jahr 2008. Seither sind in den 3.300 Filialen an 5.500 

Automaten rund 5 Millionen Euro zugunsten des Bundesverband Deutsche 

Tafel e.V. eingegangen. Das berichtete Lidl Vertreter Martin Steinberg, der 

sich gemeinsam mit Christian Kremer, dem Tafelbeauftragen und drei 

weiteren Mitarbeitenden seines Unternehmens am Mittwoch ausführlich 

über die Arbeit der Waldbröler Tafel informieren ließ.

Ohne Ehrenamt läuft nichts

Er zeigte sich beeindruckt vom hohen Maß des ehrenamtlichen 

Engagements. Und das ist in der Tat 

beachtlich: 94 Frauen und Männer 

sorgen bei der Waldbröler Tafel 

dafür, dass „der Laden läuft“. „Mir 

istmeine Mitarbeit hier viel wert. 

Weil die Leute, die hier arbeiten alle 

sehr nett sind. Ich vermisse es 

richtig, wenn ich mal nicht kommen 

kann“, so die Ehrenamtliche 

Waldtraud Seynsche. „Wenn ich sehe, welche guten Atmosphäre hier 

herrscht und mit wie viel Freude man hier bei der Sache ist, bin ich 

überzeugt, dass unsere Spende hier gut angelegt ist“, zeigte sich Martin 

Steinberg sichtlich begeistert.

Professionelles Management 

Beeindruckt zeigten  sich die Besucher  auch vom fachlichen Management, 

das hinter dem reibungslosen Tafelbetrieb steckt. Wie in einem 

mittelständischen Betrieb  muss geplant und organisiert werden. Da 

müssen  Arbeitspläne für die vielen Ehrenamtlichen geschrieben werden. 

Ein- Euro-Jobber  werden mit Geduld und Konsequenz an die Anfor- 

derungen des ersten Arbeitsmarktes herangeführt. Regelmäßig wird mit 

Tafelkunden gekocht. Und auch eine regelrechte Warenwirtschaft ist nötig. 

„Wir sorgen dafür, dass an allen Ausgabestellen immer dieselben 

Lebensmittel ausgegeben werden können“, berichtete Theresia Mittler, die  

genau wie Alfred Freitag ehrenamtlich im Leitungsteam arbeitet. So wird 

etwa Butter eingefroren, bis an allen Ausgabestellen genügend verteilt 

werden kann. Für Zeiten, in denen wenig frisches Obst und Gemüse 

„reinkommt“ wird ein Vorrat an Konserven angelegt. 

Kleine Wunder gehören auch dazu

Manchmal allerdings sind auch kleine Wunder nötig. Wie erst vor wenigen 

Wochen. „Da hatten wir einfach nicht genug Lebensmittel für die 

anstehenden Ausgaben“, erzählt Theresia Mittler. Bis das Telefon klingelte 

und ein Filialleiter  eines Supermarktes mit der Nachricht anrief, die 

Kühltheke im Laden sei ausgefallen. Ob nicht ein Tafel-Fahrer mit dem 

Kühltransporter vorbeikommen könne, um die Waren schnell für die Tafel 

abzuholen. Dank der beiden neuen Sprinter ist das auch weiterhin 

möglich." 

Hinter den Kulissen
15 Jahre